ERDBEBEN IN DER TÜRKEI: 16-Jährige nach über 20 Stunden lebend aus den Trümmern geborgen

Nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis mit zahlreichen Todesopfern haben Rettungskräfte in der westtürkischen Stadt Izmir die Suche nach Überlebenden fortgesetzt. Am Samstag bargen Suchtrupps unter Applaus drei Kinder und ihre Mutter lebend aus den Trümmern eines achtstöckigen Gebäudes, wie der Staatssender TRT berichtete. Später sagte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca Reportern, eines der Kinder sei gestorben. Dem Sender zufolge soll ein viertes, noch verschüttetetes Kind noch geborgen werden.

Die Rettungskräfte hatten zuvor Kontakt mit der Frau aufnehmen können. «Wenn du meine Stimme hörst, klopfe drei Mal», rief ein Helfer. Daraufhin gab die Frau ein Lautzeichen. Nach Angaben des Umwelt- und Städteministers Murat Kurum wurden insgesamt 100 Menschen aus den Trümmern gerettet. Rund 5000 Retter und 20 Suchhunde seien im Einsatz.

Die Zahl der Toten in der Türkei stieg bis zum frühen Samstagabend auf 35, wie der Koca mitteilte. Es habe 823 Verletzte gegeben, 8 von ihnen würden auf der Intensivstation behandelt. Auf der griechischen Insel Samos kamen zwei Menschen ums Leben.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und versprach, zerstörte Gebäude in der Türkei schnell aufzubauen. «Jedes einzelne Beben erinnert uns daran, dass sich unser Land in einem gefährlichen (seismologischen) Gebiet befindet», ergänzte er.

Tausende Menschen verbrachten die Nacht nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt Izmir, Tunc Soyer, in Notunterkünften. Zelte wurden errichtet und Helfer teilten in Parks Essen aus, wie auf Bildern zu sehen war. Auch auf Samos schliefen Menschen aus Furcht vor Nachbeben im Freien, in Autos oder gänzlich ohne ein Dach über dem Kopf, wie griechische Medien berichteten.

Meldungen über betroffene Touristen gab es zunächst nicht – ohnehin ist die Hauptsaison an der Ägäis vorbei, und wegen der Corona-Pandemie sind Reisen nur eingeschränkt möglich.

Die Erde bebte derweil weiter – die ganze Nacht durch und auch am Samstag gab es Hunderte Nachbeben, die zum Teil eine Stärke von 4 und mehr erreichten. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad gab es am Samstagmorgen in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar ein Nachbeben der Stärke 5,0.

Das erste Beben Freitag um 14.51 Uhr Ortszeit (12.51 Uhr MEZ) hatte nach Angaben der türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Das Zentrum lag demnach in der Ägäis vor der türkischen Provinz Izmir. Die für Erdbeben zuständige US-Behörde USGS gab die Stärke des Bebens sogar mit 7 an.

In Izmir stürzten nach Angaben des Provinzgouverneurs mindestens vier Gebäude komplett ein. Das Viertel Bayrakli der Küstenstadt war besonders stark getroffen. Nach offiziellen Angaben suchten die Helfer am Samstag an acht Gebäuden weiter nach Überlebenden. Schulen in Izmir wurden für eine Woche geschlossen.

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