RKI CORONA-TESTSTRATEGIE GEÄNDERT: Labore gnadenlos überlastet – Weniger Testungen

Von Sonntag auf Montag schlafen viele Angestellte schlecht. Weil am nächsten Morgen alles von vorn beginnt. Oder weil in ihr Bewusstsein sickert, was zuletzt liegen geblieben war. Mappen über Mappen, auf jeder ein Zettel, „Dringend!“, Mails mit roten Ausrufezeichen. An diesem Montag fanden die Angestellten von 162 Medizinlaboren in Deutschland insgesamt 98.310 Proben vor, die sie in der Vorwoche hätten auswerten sollen, müssen, die allesamt dringend waren. 98.310 liegen gebliebene Corona-Tests. Und die meisten Labore arbeiten an sieben Tagen in der Woche.

Ein Labor aus Berlin schreibt auf seiner Web-Seite: „Covid-19-Analytik: Testergebnisse frühestens nach 6 Tagen!“. Man solle auch bitte nicht anrufen. In den Labors sei „die rote Ampel“ überfahren worden, sagte Michael Müller am Dienstag. Nicht der Berliner Bürgermeister, sondern der Vorsitzende des Vereins der Labormediziner. Zu viele Corona-Tests, überall, die Kapazität sei bundesweit zu 100 Prozent erschöpft. Leider kann man nicht über Nacht mehr Labore einrichten, die Maschinen und, wichtiger noch, die gut ausgebildeten Mitarbeiter herbeizaubern. Man kann nur dafür sorgen, dass Mitarbeiter wie Maschinen durchhalten.

Deshalb werden nun – mitten in den Anstieg der Corona-Fallzahlen hinein – die Corona-Testmöglichkeiten beschränkt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Kriterien geändert, nach denen Ärzte die Abstriche für eine PCR-Diagnostik nehmen sollen: Es sollen nur noch diejenigen getestet werden, die typische Covid-19-Symptome haben (Fieber, trockener Husten, Geruchs- und Geschmacksverlust), zudem Risikopatienten, bei denen es eine Frage von Leben und Tod sein kann, ob sie das Virus haben, und Menschen, die sicher wissen, dass sie einem Infizierten zu lange zu nahe gekommen sind.

Alle anderen, darunter viele der drei Millionen Menschen, die in Deutschland gerade erkältet sind (wie das RKI schätzt), müssen von nun an ohne Test abwarten. Ob der Schnupfen verschwindet, der kurze Kontakt mit einem Infizierten ohne Folgen blieb. Und zwar am besten allein zu Hause – bis die Gefahr, die man nicht mehr per Test ausschließen kann, vorbei ist. Das ist alles andere als schön. Aber es geht nicht anders.

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