Als der Norden schwimmen lernte | Unsere Geschichte | NDR Doku

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Sommer, Sonne, rote Augen vom Chlorwasser und Anstehen für Pommes: Kindheitserinnerungen an einen Tag im Freibad. Viele dieser Bäder wurden Anfang der 1970er-Jahre gebaut und sind in die Jahre gekommen. In der Stadt und auf dem Land werden immer mehr Schwimmbäder geschlossen, laut einer Untersuchung der DRLG etwa 80 jedes Jahr.

NDR Autorin Heike Nikolaus geht in ihrem Film nicht nur der Frage nach, ob das einer der Gründe ist, warum heute weniger Kinder schwimmen lernen. Ihr filmischer Streifzug durch die Geschichte des Schwimmens beginnt in Norddeutschland eigentlich mit der Entwicklung der Seebäder an Nord- und Ostsee. 1793 stieg Friedrich Franz I. Herzog von Mecklenburg-Schwerin in Doberan als einer der Ersten in die Fluten.

Bald wurde Heiligendamm zum Sommertreffpunkt des Adels. Doch von schwimmen kann keine Rede sein. Allein die Badekostüme verhinderten das. Jürgen Kraft, im Hauptberuf Fahrlehrer im Seebad Ahlbeck, hat die wahrscheinlich größte, private Sammlung historischer Badekostüme zusammengetragen. Und so können die Badegäste in Ahlbeck im Sommer eine Modenschau in historischen Badekostümen bestaunen.

Doch es musste erst ein Unglück geschehen, bis schwimmen lernen in Mode kam. Am 18. Juli 1912 warteten im Ostseebad Binz Hunderte Schaulustige auf die Ankunft eines Dampfers. Der hölzerne Anlegesteg brach unter ihrer Last zusammen, etwa 80 Menschen stürzen ins Wasser. Held des Tages wurde der Soldat Richard Römer, der zufällig vor Ort war und schwimmen konnte. Er rettete zwölf Menschen vor dem Ertrinken. Gut ein Jahr später wurde unter dem Eindruck des Ereignisses die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft gegründet. Bis heute ist sie die größte Freiwilligenorganisation zur Wasserrettung. Ehrenamtlich wachen die Rettungsleute an Badeteichen und Stränden, immer bereit einzugreifen, wenn jemand in Gefahr gerät.

Während auf dem Land traditionell im Dorfteich oder im Fluss gebadet wurde, entstanden in den Städten um die Jahrhundertwende wahre Badepaläste. Es ging hier nicht nur ums Schwimmen, sondern vor allem auch um Hygiene. Viele Wohnungen hatten kein Badezimmer, doch in den Badeanstalten gibt es „Brause – und Wannenbäder“ in denen sich die Menschen waschen konnten.

Anfang der 1980er-Jahre begann dann vielerorts das Aus der ehrwürdigen Badetempel. Zu alt und nicht mehr zeitgemäß, viele wurden trotz heftiger Bürgerproteste abgerissen. Es wurden aber auch neue Bäder gebaut, so manches wird zum Millionengrab wie die Hamburger Alsterschwimmhalle, die gerade für rund 80 Millionen Euro saniert wird. Viele Kommunen können sich die teuren Bäder schlicht nicht mehr leisten. Einer der Gründe, warum es heute unter Kindern und Jugendlichen immer mehr Nichtschwimmer gibt.




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